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Strategische Vorausschau

Strategische Vorausschau (Foresight)

Die öffentliche Hand steht unter vielfältigem Handlungsdruck. Staatliches Handeln findet zunehmend unter Bedingungen tiefgreifender Unsicherheit, beschleunigten Wandels und wachsender gesellschaftlicher Polarisierung statt. 

Technologische Dynamiken und geopolitische Fragmentierung wirken dabei als Katalysatoren. Hinzu kommt ein sinkendes Vertrauen in die staatliche Handlungsfähigkeit. 

Lineare Planungsmuster, die zumeist auf Prognosen basieren, kommen unter derartigen volatilen Bedingungen immer mehr an ihre Grenzen. Die öffentliche Hand muss verstärkt mit Unsicherheit umgehen und ihre Resilienz wirksam stärken – vorausschauendes Regierungs- und Verwaltungshandeln ist dabei unverzichtbar. Hier setzt das Instrument der strategischen Vorausschau an.

Erfahren Sie, wie strategische Vorausschau wirksam genutzt und systematisch in Organisationen und Entscheidungsprozesse integriert werden kann.

Aktuell im Fokus: Mit der strategischen Vorausschau werden Perspektiven erweitert, bestehende Annahmen hinterfragt und alternative Handlungsoptionen sichtbar gemacht.

Was ist strategische Vorausschau?

Strategische Vorausschau (Foresight) ist die systematische und methodengeleitete Befassung mit Möglichkeitsräumen der Zukunft. Ursprünglich entstanden im Kontext des Kalten Krieges, um im technologischen Wettlauf der Blöcke einen Vorsprung zu erzielen, hat sich strategische Vorausschau längst zu einem weltweit vielfältig genutzten Instrument einer weitblickenden Planung entwickelt, um die Handlungsfähigkeit in unterschiedlichen Zukünften sicherzustellen. 

Foresight-Prozesse sind keine Vorhersagen mittels eines Orakels, so wie es in der Antike üblich war. Vielmehr kreieren sie einen strukturierten Rahmen, um mögliche, wahrscheinliche und wünschenswerte Zukünfte zu erkunden, Konsequenzen abzuschätzen und heutige Entscheidungen so zu gestalten, dass sie auch unter veränderten Bedingungen tragfähig bleiben. 

Gerade weil viele klassische Planungsinstrumente auf lineare Trends und stabile Rahmenbedingungen zugeschnitten sind, braucht die öffentliche Hand zusätzliche Verfahren, um systematisch mit Unsicherheit umzugehen und Perspektiven zu erweitern. Strategische Vorausschau zahlt somit unmittelbar auf das PD-Verständnis von Strategie als langfristige Basis zur Planung und Ableitung konkreter, systematischer Entscheidungen und Handlungen unter Berücksichtigung von Unsicherheit und Unschärfe ein. 

Ein zentraler Aspekt der strategischen Vorausschau ist die Nutzung spezifischer Methoden. Dazu zählen beispielsweise:

  • Delphi-Verfahren (Experteneinschätzungen zu zukünftigen Entwicklungen)
  • Szenario-Technik (Erstellung mehrerer plausibler Zukunftsbilder)
  • Trendanalyse (Identifikation relevanter Trends)
  • Horizon Scanning (frühzeitige Erkennung von aufkommenden Signalen)

In der Praxis werden häufig mehrere Methoden miteinander kombiniert oder lassen sich mit Beteiligungsformaten koppeln. Strategische Vorausschau entfaltet ihre Wirkung insbesondere in partizipativen Prozessen, wenn Expertengremien, Bürgerinnen und Bürger, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft in die Entwicklung von Zukunftsbildern einbezogen werden.

Zukunft als Gestaltungsraum

Foresight arbeitet mit der Prämisse, dass Zukunft nicht einfach „auf uns zukommt“, sondern einen Raum von Möglichkeiten bildet, in dem verschiedene Pfade – je nach heutigen Entscheidungen – wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher werden. 

Wenn die Politik jedoch unter Zeitdruck agiert und das Tagesgeschäft dominiert, läuft sie Gefahr, langfristige Perspektiven zu vernachlässigen. 

Viele Kernentscheidungen staatlichen Handelns wirken aber über Jahrzehnte und lassen sich später nur mit hohen Kosten revidieren. Indem verschiedene Szenarien durchgespielt werden, werden Zielkonflikte, Kostenpfade und Verteilungseffekte frühzeitig sichtbar. 

Mehrwerte von strategischer Vorausschau für die öffentliche Hand

Das Anwendungsspektrum reicht von der Risikovorsorge über eine zukunftsrobuste Planung bin hin zur systematischen Identifikation von Zukunftsthemen. Insbesondere bei komplexen Herausforderungen, wie dem Klimawandel, geopolitischen Umbrüchen oder der Transformation von Arbeit, bietet strategische Vorausschau Mittel zur Antizipation von Folgewirkungen für die öffentliche Hand.

Im Gegensatz zu klassischen Prognoseinstrumenten richtet strategische Vorausschau den Blick nicht nur auf eine erwartete Zukunft, sondern auf ein Spektrum möglicher Zukünfte. So können auch „Überraschungen“ gezielt antizipiert und politisch sowie auch administrativ bewältigt werden.

Viele öffentliche Institutionen von der EU-Kommission über die OECD bis hin zu Bundesministerien und -behörden haben die strategische Vorausschau bereits als Instrument in unterschiedlichen Planungskontexten von der Früherkennung bis zur Strategieentwicklung etabliert. Auch im aktuellen Koalitionsvertrag der Bundesregierung wird sie mehrfach hervorgehoben – unter anderem mit dem Ziel, diese wirksam in der Regierungsarbeit zu verankern.

Wie dies gelingen kann, zeigen wir in unserem PD-Standpunkt zur strategischen Vorausschau auf.

Strategische Vorausschau stärkt die Resilienz

Strategische Vorausschau kann zu einer Erhöhung der Resilienz staatlicher Institutionen beitragen. Dies bedeutet nicht nur das „Durchstehen“ von Krisen, sondern die Fähigkeit, sich anzupassen, zu lernen und gestärkt aus Krisen hervorzugehen. Das bringt öffentliche Verwaltungen dazu, Annahmen über die Stabilität zu hinterfragen und systematisch zu prüfen, wie robust die bestehende Politik gegenüber unterschiedlichen Zukunftspfaden ist. 

Strategien werden etwa durch kontrastierende Szenarien getestet. So wird deutlich, welche Maßnahmen nur unter bestimmten Bedingungen und welche auch dann noch funktionieren, wenn die Wirtschaft langsamer wächst oder gesellschaftliche Konflikte zunehmen. Auf diese Weise entstehen adaptive Strategien mit eingeplanten Korrektur- und Lernschleifen, die es der öffentlichen Hand ermöglichen, flexibel zu reagieren. 

Strategische Vorausschau eignet sich besonders bei ressortübergreifenden Querschnittsthemen, wie etwa die Zukunft ländlicher Räume oder die Verbindung von Klima-, Gesundheits- und Sozialpolitik.

Durch Foresight-Prozesse können verschiedene Ministerien, Behörden und externe Akteure gemeinsam Zukunftsbilder entwickeln und daraus abgestimmte Maßnahmen ableiten.

Vielfältige Anwendungskontexte für eine wirksame strategische Vorausschau

Um die Wirkung der strategischen Vorausschau zu entfalten, sollten Foresight-Prozesse mit zentralen Planungs- und Entscheidungsprozessen verknüpft werden.

Zu den wichtigsten Anwendungskontexten gehören:

Strategieentwicklung

  • Entwicklung langfristiger Regierungsstrategien
  • Unterstützung bei der Prioritätensetzung in der Politik

Gesetzgebung und Regulierung

  • Abschätzung von Auswirkungen neuer Gesetze und Maßnahmen
  • Berücksichtigung von Alternativen bei regulatorischen Entscheidungen

Krisenvorsorge und Resilienz

  • Entwicklung von Szenarien für mögliche Krisen
  • Verbesserung der staatlichen Resilienz

Technologie- und Innovationspolitik

  • Beobachtung neuer Technologien und ihrer Auswirkungen
  • Einschätzung technologischer Risiken und Chancen

Nachhaltigkeits- und Transformationspolitik

  • Entwicklung langfristiger Nachhaltigkeitsstrategien
  • Bewertung von Transformationspfaden 

Internationale Zusammenarbeit und Sicherheitspolitik

  • Vorbereitung auf geopolitische Veränderungen
  • Unterstützung außen- und sicherheitspolitischer Strategien

Regionale und kommunale Planung

  • Stadt- und Regionalentwicklung
  • Infrastruktur- und Verkehrsplanung
  • Anpassung an den demografischen Wandel und die Klimafolgen

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