ÖPP und Gesundheitswesen

Prof. Dr. Jens Scholz
Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein

„Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) ist der einzige Maximalversorger des nördlichsten Bundeslandes. Mit den Standorten Kiel und Lübeck deckt das Klinikum das gesamte Spektrum der Medizin ab und verknüpft Forschung und Krankenversorgung. Das Leitbild unseres Hauses „Wissen schafft Gesundheit“ steht für die Arbeit von 2.000 Ärzten und Wissenschaftlern gemeinsam mit 3.600 Pflegekräften in 80 Kliniken und Instituten.

Das UKSH hat zum Ziel, auch in Zukunft ein Garant für exzellente, höchst individualisierte sowie interdisziplinäre Diagnostik und Therapien zu sein. Wir haben uns mit den kommenden Herausforderungen des demografischen Wandels, der sich fortlaufend entwickelnden Medizintechnik, den Anforderungen an die ambulante sowie stationäre Versorgung, dem Wandel theoretischer Grundlagen, den Vorstellungen von Medizin im 21. Jahrhundert auseinandergesetzt. Hierzu haben wir ein Konzept entwickelt, wie die Universitätsmedizin der Zukunft am UKSH aussehen wird, und in einen baulichen Masterplan einfließen lassen.

Die erforderlichen Rationalisierungsprozesse, um die hochkomplexen medizinischen und administrativen Einheiten effektiv aufeinander abzustimmen, bedingen gleichzeitig bauliche Maßnahmen. Das Land sagte für die Umsetzung der geplanten Schritte im Bereich der Krankenversorgung keine Mittel zu, so dass sich das Projekt aus den zukünftigen Erlössteigerungen und Kosteneinsparungen refinanzieren muss, die mit der baulichen Restrukturierung möglich werden. Aufgrund der langfristigen und verknüpften Betrachtung von Bau und Betrieb wurde ein Vergabeverfahren in Form eines „Wettbewerblichen Dialogs“ für das Immobilien-ÖPP im Frühjahr 2012 gestartet. An den beiden Standorten Kiel und Lübeck des UKSH sollen im Bereich der Krankenversorgung ab 2014 insgesamt etwa 380 Mio. Euro für Neubauten und Sanierungen investiert werden.

Um dieses Vorhaben umsetzen zu können, beziehen wir alle Kliniken und Institute, die medizinischen Versorgungszentren sowie die Ärztinnen und Ärzte und die Pflegekräfte in die Planung der Universitätsmedizin der Zukunft ein. Wir möchten, dass die Gestaltung der Arbeitsplätze und der Funktionsabläufe den speziellen Bedürfnissen und Fähigkeiten der Chirurgen am Hybrid-Operationssaal genauso gerecht werden, wie der Servicekraft, die dem Patienten das Mittagessen heiß servieren möchte.

Mit der Umsetzung des baulichen Masterplanes als Öffentlich-Private Partnerschaft besteht die große Chance zur Errichtung zweier moderner Klinikstandorte aus einem Guss, die so flexibel konzipiert sind, dass sie späteren Entwicklungen angepasst werden können."

Fachartikel

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ÖPP-Projekte mit Vertragsabschluss 2002 bis 2013

Anteil der Gesundheitsprojekte am ÖPP-Markt nach Projektanzahl: 5%
Anteil der Gesundheitsprojekte am ÖPP-Markt nach Investitionsvolumen: 15,6%

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ÖPP-Projekte der Medizintechnik

Projekte mit Vertragsabschluss 2008-2012
Projektträger Projektvolumen in Mio. Euro Laufzeit in Jahren Projektinhalt
Klinikverbund "Gesundheit Nordhessen" ca. 20 10 Radiologie-Partnerschaft
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ca. 3,5 5 Blutgasanalyse-Partnerschaft
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ca. 5 5 Partnerschaft in der Endoskopie
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ca. 4 10 Sonodiagnostik-Partnerschaft
Klinikum Emden ca. 1 7 Sonographie-Partnerschaft
Klinikverbund "Gesundheit Nordhessen" ca. 60 10 umfassende Medizintechnik-Partnerschaft
Klinikum Stuttgart ca.14, optional: 4,5 für Gerätewartung 7 Radiologie-Partnerschaft
Evangelische Krankenhaus Bielefeld nicht verfügbar 10 Radiologie-Partnerschaft
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ca. 5 6 Partnerschaft bzgl. einer Laborstraße
Medizinische Hochschule Hannover ca. 20 10 Radiologie-Partnerschaft

ÖPP-Projekte im Gesundheitssektor

Projekte mit Vertragsabschluss 2002-2012
Projektträger/Standort Invest.-Vol. in Mio. Euro Laufzeit in Jahren Projektinhalt
Klinikum Dortmund 18,5 20 Logistikzentrum Klinikum
Universitätsklinikum Essen 136 15 Protonentherapie-Zentrum
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein 250 25 Partikeltherapie-Zentrum
Landkreis Esslingen 47 20 Gesundheitszentrum Ruit
Land Nordrhein-Westfalen 80 25 Universitätsklinikum Köln
Landkreis Starnberg 13 30 Kreisaltenheim Schloss Garatshausen
Klinikum Landshut gGmbH 30 Gesundheitszentrum
Hochtaunuskreis 196,1 25 Klinikneubauten der Hochtaunuskliniken
Klinikum Ansbach AöR 30 30 Wohnanlage mit Heizzentrale und Parkdeck
Universitätsklinikum Müchen 15 15 Produktionsstätte für Radiopharmaka
Main-Taunus-Kliniken 50 20 Neubau der Abteilungen Innere, Geriatrie, Psychiatrie und ambulante Versorgung
Lahn - Dill - Kliniken 10 Planung und Errichtung eines Ärztehauses inkl. Parkflächen und Betriebsführung
Weitere Links zum Thema Gesundheitswesen

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Unser Beratungsangebot im Bereich Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen gilt derzeit in Deutschland als eine der Referenzbranchen zur Umsetzung der ÖPP-spezifischen Vorteile. Diese ergeben sich aus der Verknüpfung von neu gestalteten Prozessen innerhalb des Krankenhauses und der planerischen Umsetzung in baulichen Masterplänen über den Lebenszyklusansatz. Damit verbunden ist auch eine langfristige Kostentransparenz.

Zudem gewährt die Einbeziehung eines Reinvestitionskonzepts eine langfristige Sicherstellung qualitativ fest definierter Verfügbarkeits- und Leistungsstandards bei der Infrastruktur und Medizintechnik. Schließlich erhält das wirtschaftliche Anreizsystem von Bonus-/Malusregeln zur Einhaltung dieser Standards ein deutlich höheres Gewicht. Deren Einhaltung ist für die Gewährleistung der Qualität in der Patientenversorgung von grundlegender Bedeutung.

Erste realisierte ÖPP-Projekte im Gesundheitswesen haben gezeigt, dass es möglich ist, wirtschaftlich und technisch höchst anspruchsvolle Projekte zu strukturieren. Dabei war eine hohe Bereitschaft der Marktteilnehmer vorhanden, ihre Expertise in die Optimierung von krankenhausinternen Prozessen und deren baulichen Planung des öffentlichen Auftraggebers einzubringen. Schließlich spiegeln diese realisierten ÖPP-Projekte wider, dass die Industrie sich in der Lage sieht, Vereinbarungen über die langfristige Verfügbarkeit modernster Medizintechnik und hohe Leistungsstandards im Krankenhaus zu treffen. Für dieses Leistungsversprechen trägt sie auch die wirtschaftliche Verantwortung.


Unser Beitrag für eine Marktöffnung im Gesundheitswesen

  • wirtschaftliche Beratung für verschiedenen Projektoptionen wie Sanierung, Neubau oder Anmietung von Liegenschaften

  • Erstellen von Machbarkeitsstudien und Eignungstests

  • Identifikation von geeigneten Fördermitteln und Kommunikation mit potenziellen Fördermittelgebern

  • Entwickeln eines Finanzierungsmodells einschließlich der Einbindung von geeigneten Fördermitteln unter Berücksichtigung der aktuellen Haushaltslage

  • Einbinden von technischen und juristischen Beratern, z. B. über die Durchführung eines VOF-Verfahrens oder eine freihändige Vergabe

  • Durchführen von Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen sowie Erstellung von Financial Models

  • Erstellen der wirtschaftlichen Ausschreibungsunterlagen zur Vorbereitung eines Vergabeverfahrens

  • Durchführung und Steuerung von Vergabeverfahren (Teilnahmewettbewerb, wirtschaftliche Bewertung der Angebote, Durchführung von Verhandlungen, Steuerung des technischen und juristischen Beraters)

  • Erstellen von Entscheidungsvorschlägen und Präsentation vor den beteiligten Gremien

  • Projektcontrolling in der Betriebsphase

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