Energieeffizienz

Anna Heep, Hochbaumanagement Stadt Offenbach

"Die Stadt Offenbach ist seit 1998 Mitglied im Klimabündnis und sieht unter anderem in der Reduzierung des Energie- und CO2-Verbrauchs für ihren kommunalen Gebäudebestand einen effizienten Wirkungsfaktor zur Energieeinsparung und Erreichung der Klimaschutzziele. Seit 2007 hat sich die Stadt Offenbach im Rahmen ihres Schulbausanierungsprogramms auch im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit, kommunale Vorbildfunktion und Multiplikatorenwirkung bewusst für eine hohe Energieeffizienz ihrer Schulgebäude entschieden. Mittlerweile wurden sieben Neu- und Erweiterungsbauten im Passivhausstandard realisiert. Darüber hinaus wurden 17 Objekte im Bereich des Schul- und Kitabaus energetischen Sanierungsmaßnahmen unterzogen. Daraus resultieren eine jährliche Einsparung an Heizenergie von rund 2,6 Mio. kWh sowie jährlich rund 640 Tonnen vermiedene CO2-Emissionen. Neben der konventionellen Eigenerledigung wurden an zwei Schulstandorten die Neubauvorhaben als zertifizierte Passivhäuser in einem ÖPP-Modell mit HOCHTIEF umgesetzt. Im Herbst 2012 bzw. Sommer 2013 sind alle Gebäude, wie geplant, nach nur rund drei Jahren Bauzeit übergeben worden.

Für die Konzeption und Umsetzung der Schulbauvorhaben wurden verbindliche Qualitätsstandards definiert, um eine nachhaltige und ökologische Bauausführung sowie die Einhaltung energetischer Parameter konsequent umsetzen zu können. Für die Realisierung und Einhaltung der städtischen Qualitätsvorgaben, insbesondere der energetischen Anforderungen, war bei den ÖPP-Bauten die Einbindung unterschiedlicher Fachdisziplinen seitens der Stadt erforderlich. Im Vergleich zur konventionellen Umsetzung von Bauvorhaben war dieser Prozess mit einem intensiven und erhöhten Abstimmungs-, Arbeits- und Kontrollaufwand mit von der Stadt zusätzlich beauftragten Fachberatern der Disziplinen Energie, Baukonstruktion und Haustechnik verbunden.

Im Ergebnis trägt jedoch die Kombination ökonomischer und ökologischer Aspekte bei der Konzeption von Bauvorhaben mit der damit verbundenen Optimierung von Betriebskosten zur Zukunftssicherung der Kommune bei. Auch dienen die Schulgebäude als Orte der Bildung und des Austausches dazu, sich konkret mit Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes auseinanderzusetzen und die Idee und Funktionsweise des Passivhausprinzips im Schulalltag kennenzulernen. Auftraggeber und Nutzer sind jetzt, nach einer Eingewöhnungszeit, mit den ÖPP-Schulgebäuden in der Betriebsphase zufrieden."


Anna Heep, Architektin
Bereichsleiterin Hochbaumanagement
Stadtplanung, Verkehrs- und Baumanagement Stadt Offenbach

Christian Stolte, Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

„Im öffentlichen Bereich fallen in Deutschland jährlich Energiekosten von rund 3,6 Milliarden Euro an. Um die Ziele der Energiewende mit den Teilzielen der Bundesregierung bis 2020 und 2050 erfolgreich umzusetzen, sind nachhaltige Instrumente für die Finanzierung und die qualifizierte Umsetzung von energetischen Modernisierungsmaßnahmen nötig. Vor dem Hintergrund knapper Haushaltskassen und der erforderlichen Langfristigkeit der Maßnahmen bietet sich hierfür das Energie-Contracting als eine Form der Öffentlich-Privaten Partnerschaft an.

Mit Contracting lassen sich hohe Energieeinsparungen erzielen, insbesondere bei großen Gebäudebeständen der öffentlichen Hand. Es bestehen verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit einem privaten, auf Energiedienstleistungen spezialisierten Unternehmen. Zum einen können Energielieferungen vertraglich vereinbart werden (Energieliefer-Contracting). Der private Partner (Contractor) übernimmt zum Beispiel die Modernisierung der Heizungsanlage und stellt auf diese Weise eine effiziente Wärmeversorgung mit langfristig planbaren Kosten sicher. Beim zweiten Modell, dem Energiespar-Contracting, wird der Energieverbrauch durch Effizienzmaßnahmen auch innerhalb des Gebäudes gesenkt. Der private Partner plant, finanziert und realisiert die Maßnahmen und ist außerdem verantwortlich für Energiecontrolling, Instandhaltung und Wartung der installierten Anlagen. Die Energiekosteneinsparung wird vom Contractor vertraglich garantiert.
Bei den bisher über 30 Contracting-Projekten des Bundes, die mit Unterstützung der dena durchgeführt wurden, konnten die Energiekosten um durchschnittlich 37 Prozent gesenkt werden. Über 30 Millionen Euro wurden dabei von privaten Unternehmen in die Liegenschaften investiert. Der finanzielle Aufwand des Contractors wird aus den eingesparten Energiekosten refinanziert. Der Haushalt des Bundes wird dennoch um mehr als eine Million Euro jährlich entlastet. Die Projekte des Bundes zeigen, dass mit Contracting hohe Einsparpotenziale – in einzelnen Liegenschaften sogar bis zu 50 Prozent – erschlossen werden können. Zukünftig sollen auch Projekte umgesetzt werden, die nicht nur anlagentechnische Komponenten berücksichtigen, sondern auch die bauliche Sanierung. So kann die Energieeffizienz noch weiter gesteigert werden. Die dena unterstützt seit 2010 mit ihrem „Kompetenzzentrum Contracting für Gebäude“ Liegenschaftsbetreiber, Bauverwaltungen und Entscheider aus Bund, Ländern und Kommunen bei allen Fragen zum Energie-Contracting. Aufgrund der inhaltlichen Schnittmengen von Energie-Contracting-Ansätzen und ÖPP-Modellen stehen wir in einem engen fachlichen Austausch mit der ÖPP Deutschland AG. Es freut uns, dass die Grundlagenarbeit „Energieeffizienz-Partnerschaften – Partnerschaftsmodelle zur Steigerung der Energieeffizienz bei Bestandsgebäuden“, die die ÖPP-Deutschland AG derzeit im Auftrag des Bundesfinanzministeriums bearbeitet, bereits von den Erfahrungen mit Contracting-Ansätzen profitieren konnte.“


Christian Stolte
Bereichsleiter Energieeffiziente Gebäude, Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

Fachartikel

Leitfäden und Gutachten

Weitere Links zum Thema Energieeffizienz

KfW-Förderprogramme für die energetische Sanierung

Mit dem Förderprogramm „Energieeffizient Sanieren – Kommunen“ (Programmnummer 218) finanziert die KfW die energetische Sanierung kommunaler und sozialer Nichtwohngebäude. Neben der Sanierung zum KfW-Effizienzhaus 85, 70 oder 55 werden auch energetische Einzelmaßnahmen finanziert. Der Begriff Effizienzhaus ist ein Qualitätszeichen, das von der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) zusammen mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) und der KfW entwickelt wurde.

Darüber hinaus kann auch das Programm „Energetische Stadtsanierung – Energieeffiziente Quartiersversorgung“ im Rahmen der energetischen Bestandsanierung relevant sein. Die KfW bietet hier erneut unterschiedliche Konditionen der Förderung von Kommunen (Programmnummer 201) und Kommunalen Unternehmen (Programmnummer 202).

Das Programm „Energetische Stadtsanierung – Zuschuss“ (Programmnummer 432, kombinierbar mit 201/202) ermöglicht für die Phase vor Investition einen Zuschussbetrag durch die KfW für die Erstellung von Quartierskonzepten und einen Sanierungsmanager. Die Zuschüsse können an private oder gemeinnützige Akteure weitergegeben werden.

Weitere Informationen der KfW unter anderem: Programminformationen der KfW 218 / 219 (externer Link)

Unser Beratungsangebot bei Energieeffizienz-Partnerschaften im Hochbaubereich

Unser Fokus liegt auf der Beratung bei energetischer Sanierung von Bestandsgebäuden und Bestandsportfolios

Frühphasen- und Strategieberatung

  • Gebäudeportfolio-Analysen nach energetischen Zielvorgaben 
  • Identifizierung und Beschreibung von optimalem Projektzuschnitt 
  • Beratung zur Umsetzungsstrategie und zu Organisationsmodellen
  • Erstellen von Machbarkeitsstudien, Eignungstests und Nutzwertanalysen

 

Wirtschaftliche Beratung

  • Ermittlung der Amortisationsdauer energetischer Sanierungsmaßnahmen
  • Entwicklung geeigneter Finanzierungsmodelle unter Berücksichtigung der Haushaltslage
  • Beratung zur Einbindung von Fördermitteln und Kommunikation mit den Fördermittelgebern
  • Durchführen von Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen und Beschaffungsvariantenvergleichen

 

Projektmanagement 

  • Gesamtprojektsteuerung
  • Einbindung von technischen und juristischen Beratern

  • Erstellen von wirtschaftlichen Ausschreibungsunterlagen

  • Wirtschaftliche Bewertung von Angeboten (u.a. nach Energieeffizienz-Kriterien) 

  • Durchführung und Begleitung von Vergabeverfahren 

  • Erstellen von Entscheidungsvorschlägen und Präsentation vor Entscheidungsgremien

 

Projektcontrolling 

  • Begleitung während der Projektumsetzung 

  • Evaluation und Erfolgskontrolle (insbesondere bzgl. Energieeffizienz-Zielen) in der Betriebsphase