ÖPP und Elektromobilität

Die Kommunen sind in der aktuell laufenden Markterschließungsphase für Elektromobilität als gestaltende Instanz gefragt. Sie tragen Sorge für die öffentliche Infrastruktur und den dafür nötigen ordnungsrechtlichen Spielraum. Denn in den Städten wird diese „neue Mobilität“ als erstes umgesetzt. Kurze Wege im Stadtverkehr, eine vorhandene Strominfrastruktur und viele Anknüpfungspunkte zum ÖPNV sind prädestiniert, um neue Mobilitätskonzepte zu erproben.

Wesentliche Handlungsfelder für Kommunen beim Thema Elektromobilität sind:

  • Aufbau öffentlicher Ladeinfrastruktur
  • Bereitstellung von Flächen (Parkplätze mit Ladesäulen) inkl. entsprechender Beschilderung
  • Integration der Ladeinfrastruktur in die Stadt- und Verkehrsplanung
  • Aufbau einer kommunalen E-Fahrzeug-Flotte
  • Entwicklung von Geschäftsmodellen und Mobilitätsmanagement
  • Anreize für neue Mobilitätskonzepte mit dem Fokus der Entwicklung einer klimafreundlichen Stadt

 

Herausforderung Elektromobilität: Fahrzeuge, Ladetechnik, Infrastruktur

Ein erster Blick auf die Elektromobilität gilt gewöhnlich den Fahrzeugen, denn sie sind es, die vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Zunahme erneuerbarer Energien auch im Verkehrsbereich ganz neu gedacht und konzipiert werden müssen.

Die zunehmende Sichtbarkeit der Elektromobilität sorgt dafür, dass neben den Fahrzeugherstellern zwei weitere Gruppen, nämlich Energieversorger und Stadtwerke, in den Fokus rücken ohne die Elektromobilität nicht stattfinden kann. Die Anwender und Nutzer müssen sich darauf einstellen, dass sich Mobilitätsstrukturen und mit einer längerfristigen Perspektive auch Verkehrsräume gravierend verändern werden.

Neue elektrisch angetriebene Fahrzeuge können sein:
• Batteriebetriebene Zweiräder (Pedelec, E-Bike, Segway)
• Pkw mit Elektroantrieb oder Hybridantrieb
• Neuartige Kleinstfahrzeuge (Drei- oder Vierräder)
• Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb

Mit dem Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität wurden im Jahre 2009 umfangreiche Förderprojekte initialisiert, um einen Markthochlauf für Elektromobilität zu unterstützen.

Unterschiedlichen Technologien des Ladens (Langsamladen, Schnellladen, induktives Laden, Batteriewechsel) stehen softwareseitig verschiedene Technologien der Authentifizierung (Mobiltelefon, RFID-Karte) und Abrechnung (Grüner-Strom-Vertrag, Kreditkarte, kostenloses Laden ohne Abrechnung, Abrechnung über die Parkgebühr) gegenüber.

Parkplätze unterliegen i.d.R. einer Bewirtschaftung. Es kann also zu einem Interessenkonfliktkommen, wenn man Parkplätze für E-Fahrzeuge während des Ladens kostenlos zur Verfügung stellt. Parkplätze müssen beschildert und möglicherweise mittels Piktogrammen markiert werden, damit sie als solche erkannt werden.

Eine Privilegierung von E-Fahrzeugen setzt voraus, dass kommuniziert wird, nach welchen Kriterien diese Privilegierung erfolgt und wie diese Fahrzeuge gekennzeichnet werden, z.B. durch eine spezielle Parkscheibe.

Da es grundsätzlich nicht im Sinne der Kommunen ist, dass mehr Fahrzeuge in die Innenstädte kommen, bekommen intermodale Geschäftsmodelle, die andere Verkehrsträger mit einbeziehen, sowie Car Sharing und Pooling-Modelle eine große Bedeutung. Diese haben im Kern eine höhere Auslastung der einzelnen Fahrzeuge zum Ziel.

Neben der öffentlichen Ladeinfrastruktur entsteht in den Städten eine private, aber öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur (Beispiel Parkhäuser, Parkplätze der Einzelhandelsketten) sowie private Lademöglichkeiten, z. B. bei den Arbeitgebern.

Im Hinblick auf den Markthochlauf für Elektromobilität bis 2020 wird der Bedarf an Koordination zwischen dem öffentlichen und dem privaten Bereich für Fahrzeuge und für Ladeinfrastruktur in den Städten erheblich ansteigen. Dafür benötigen die Kommunen einen angemessenen ordnungspolitischen Spielraum.

 

Beispiel Lenkungskreis Elektromobilität der Stadt Dortmund

In der Stadt Dortmund wird mit dem Thema Elektromobilität in vielfältiger Weise umgegangen. Verwaltung, Bürger, Wissenschaft und Wirtschaft arbeiten gemeinsam in dem Themenfeld. Die Schnittstelle ist der Lenkungskreis Elektromobilität, in dem die Akteursgemeinschaft vertreten ist und als einheitlicher Ansprechpartner für Fragen rund um die Elektromobilität dient. Zur Unterstützung gibt es einen Beschluss des Rats der Stadt und der Verwaltungsspitze mit dem Oberbürgermeister, der sich persönlich für Elektromobilität engagiert. In Kooperation mit den Energieversorgern und Fördermittelgebern wurde ein dichtes Netz an Ladepunkten (aktuell: 132) geschaffen. Die Stadt vereinfachte u. a. Genehmigungsprozesse und verkürzte die Bearbeitungszeiten. Zudem werden die Bürger im Planungsprozess über ein Vorschlagswesen eingebunden. Die Kommune hat als Vorbildfunktion eigene Fahrzeuge angeschafft und wird das Flottenmanagement in Kooperation mit externen Dienstleistern ökologisch und ökonomisch neu aufstellen.

Eine wichtige Funktion kommt der Wirtschaft und der Wissenschaft zu. Die Dortmunder Hochschulen und Forschungseinrichtungen unterstützen den Dialog, entwickeln fachbereichsübergreifend neue Technologien und schulen (potenzielle) Anwender. Für Unternehmen sind neue Geschäftsmodelle interessant. Beispielsweise können über Öffentlich-Private Partnerschaften Vorhaben der öffentlichen Hand mit dem Know-how der Privaten langfristig umgesetzt werden.

Kurt Pommerenke
Projektmanager Energie-, Elektro- & Umwelttechnologien, Geschäftsführer Lenkungskreis Elektromobilität Dortmund

Gerd-Uwe Funk
EnergieRegion.NRW, Netzwerk Kraftstoffe und Antriebe der Zukunft

Fachartikel

Weitere Links zum Thema Elektromobilität

Elektromobilität - Welche Potenziale bieten Partnerschaftsmodelle

Ausgangsituation

Die Bundesregierung hat im Jahr 2009 unter Federführung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) sowie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) den Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität initiiert. Gemeinsam mit Akteuren aus Wirtschaft und Wissenschaft soll ein auf zehn Jahre angelegter Plan zur Realisierung von Elektromobilität entwickelt werden. Inzwischen wurden acht Modellprojekte deutschlandweit umgesetzt und im Rahmen des Programms „Schaufenster Elektromobilität“ beschlossen, vier weitere Regionen in Deutschland im Bereich der Elektromobilität zu fördern. Auch die deutsche und internationale Industrie verfolgt den schnellen Auf- und Ausbau der Elektromobilität in Deutschland und anderen Ländern und stellt zusätzliche Forschungs- und Entwicklungsbudgets bereit.

Aufgabenbeschreibung

Wenn sich die öffentliche Hand neben ihrer Rolle als finanzieller Förderer auch als unmittelbarer Marktnachfrager und somit als starker Marktaktivator positioniert, kann der nachhaltige Aufbau der Elektromobilität in Deutschland gelingen.

PD wurde vom BMVBS beauftragt zu untersuchen, inwieweit Partnerschaftsmodelle zwischen öffentlicher und privater Seite geeignet sind, die Beschaffung der Öffentlichen Hand im Bereich der Elektromobilität zu optimieren. Hierzu sollen Rahmenbedingungen, Geschäftsmodellansätze und Marktstandards analysiert bzw. entwickelt werden.

Die Veröffentlichung dieser Standards soll helfen, die Realisierung von elektrifizierten Fahrzeugflotten & Fuhrparks bzw. geeigneter Ladeinfrastruktur für Bund, Länder und Kommunen zu beschleunigen und insbesondere auch Transaktionskosten über den gesamten Lebenszyklus zu senken. Im Ergebnis ist damit ein nachhaltiger und effizienter Beitrag zur flächendeckenden Einführung von Elektromobilität in Deutschland zu erwarten.

Vorgehensweise

Ein standardisiertes Partnerschaftsmodell und Kenntnisse über die Marktgängigkeit verschiedener Realisierungsvarianten existieren derzeit noch nicht. Sie wären für die Ausschreibung eines Einzelprojekts vergleichsweise kostenintensiv. Daher ist für das innovationsgetriebene Umfeld der Elektromobilität ein hoher Bedarf an Systematisierung und Standardisierung zu erkennen.

Bei der Erarbeitung dieses Standards geht PD insbesondere auf folgende Aspekte ein:

  • Analyse der Rahmenbedingungen, z. B. politisch, regulatorisch, wirtschaftlich, technisch
  • Abgrenzung des relevanten Marktes und Marktsegmentierung
  • Kritische Erfolgsfaktoren für Partnerschaftsmodelle
  • Ausgestaltung marktfähiger Partnerschaftsmodelle einschließlich Marktrückkoppelung

 

Weitere Informationen unter: Partnerschaftsmodelle im Bereich der Elektromobilität