ÖPP und Berufsschulen

„Im Jahre 2009 beschloss die Ratsversammlung der Stadt Kiel, ihre sieben Beruflichen Schulen zu drei Regionalen Berufsbildungszentren zusammen zu fassen. Dafür sollten mit Hilfe eines privaten Partners Neubauten errichtet werden (ÖPP).

Im "RBZ Wirtschaft . Kiel", das im Jahr 2010 durch Fusion zweier Schulen entstand, bereitete man sich frühzeitig auf den Neubau am Standort Ravensberg vor. Dort sollten etwa 1500 Schülerinnen und Schüler und über 150 Lehrkräfte untergebracht werden. Auf über 8000 qm Fläche waren 60 Klassenräume, Fachräume, Selbstlernzentrum, Arbeits- und Bewegungsflächen, die gesamte Schulverwaltung und eine große Mensa mit eigener Küche unterzubringen.

Durch Besuche von Beruflichen Schulen in den Nachbarländern Schweden, Dänemark und Niederlande holte sich eine Arbeitsgruppe der Schule Anregungen für ein pädagogisches Raumkonzept, das die Bildung von Clustern, bestehend aus jeweils sechs Klassenräumen mit Drucker-, Lager- und Gruppenarbeitsraum, Fachräumen, Toilettenräumen und dazwischen liegenden offenen Lernbereichen vorsah. Nach diesen Vorgaben fand ein alternatives Planungsverfahren statt. Der von allen Beteiligten ausgewählte Entwurf diente im folgenden PPP-Verfahren als städtebaulicher und gestalterischer Maßstab für die Entwürfe der Bieter. In einer Rekordzeit von anderthalb Jahren wurde der Neubau in Fertigbauweise errichtet.

Einzug und Eröffnungsfeier fanden im Sommer 2013 statt. Seitdem erfolgt eine Feinjustierung der Belüftung und Beheizung durch den Betreiber, der für 25 Jahre die Verantwortung für das Gebäude übernommen hat. In regelmäßigen Sitzungen mit dem Schulträger, der Schulleitung und dem Investor werden notwendige Nachbesserungen besprochen.

Als problematisch stellt sich für uns von der Schule in der bisherigen, kurzen Betriebszeit, die lückenhafte Präsenz des Gebäudemanagers und der technischen Hausmeister heraus. Mängel können zwar über einen Helpdesk oder in dringenden Fällen telefonisch reklamiert und dann per Fernsteuerung behoben werden. Es ist aber eine Umgewöhnung, hier nicht permanent einen Hausmeister vor Ort zu haben.

Ob das ÖPP-Modell bei diesem Projekt ein Erfolg ist, können wir als Nutzer des Objektes erst nach einem längeren Beobachtungszeitraum und in einer differenzierten Betrachtung beurteilen.“

Wulf Wersig
Schulleiter RBZ Wirtschaft . Kiel

Fachartikel

Rohde, Uwe und Iding, Andreas: Neues Berufkolleg Mitte – Bildungspolitischer Meilenstein für Duisburg, in: Knop, D. und Weber, M. (Hrsg.), Public Private Partnership Jahrbuch 2010.

ÖPP-Projekte mit Vertragsabschluss 2002 bis August 2015

Anteil der Berufsschulprojekte am ÖPP-Markt nach Projektanzahl
Anteil der Berufsschulprojekte am ÖPP-Markt nach Investitionsvolumen

ÖPP-Berufsschulprojekte in Betrieb

Projekte mit Vertragsabschluss 2002 - Juli 2013
Projektträger Projekt Vertrags-abschluss Laufzeit in Jahren
Stadt Frankfurt am Main Bildungszentrum Ostend Jul 03 20
Stadt Leverkusen Berufsschulen Jun 05 29
Landkreis Harburg Schulzentrum Buchholz II Nov 06 20
Landkreis Harburg Erweiterung Berufsbildende Schulen Winsen Mrz 07 20
Kreis Düren Berufskolleg Jülich, Stephanusschule, Erich-Kästner-Schule Mrz 07 25
Stadt Frankfurt am Main Heinrich-Kleyer-Schule Aug 07 20
Stadt Pforzheim Alfons-Kern-Schule Mai 08 30
Land Baden-Württemberg Duale Hochschule Heidenheim Mai 08 20
Stadt Baden-Baden Gewerbeschule und Grundschule in der Cité Baden-Baden Sep 08 20
Kreis Herzogtum Lauenburg Gymnasium Ratzeburg und Berufsbildende Schulen Mölln Aug 08 20
Stadt Neuss Musikschule/VHS/Fernsuniversität Apr 09 20
Landkreis Oberspreewald-Lausitz Seecampus Niederlausitz Aug 09 30
Stadt Duisburg Neues Berufskolleg Mitte Sep 09 25
Landeshauptstadt Kiel Regionales Berufsbildungszentrum Kiel Gaarden (RBZ) Mrz 11 25
Landeshauptstadt Kiel Regionales Berufsbildungszentrum Wirtschaft Dez 11 25
Landkreis Miesbach FOS / BOS Weiden Apr 12 25
Landeshauptstadt Kiel Regionales Berufsbildungszentrum Soziales, Ernährung und Bau (RBZ1) Jul 12 25

Unser Beratungsangebot im Bereich ÖPP und Berufsschulen

Berufsschulen stellen einen wichtigen Beitrag zur Vermeidung des drohenden Fachkräftemangels durch die demografische Entwicklung dar. Dadurch sind sie für Kommunen ein Standortvorteil und sichern langfristig ein stabiles Versorgungsniveau mit qualifiziertem Nachwuchs für die ansässigen Unternehmen. Die fast 9.000 Berufsbildenden Schulen in Deutschland decken ein weites Spektrum von „einfachen“ Verwaltungslehrschulen bis hin zu spezialisierten Berufsfachschulen und Fachoberschulen ab. Die wirtschaftlichen und technischen Anforderungen streuen dabei stark.

Viele der bestehenden Liegenschaften bieten jedoch nicht mehr die Möglichkeit einer zeitgemäßen Ausbildung. Aufgrund stetig steigender Anforderungen an neue integrierte Lehrkonzepte, technischen Neuerungen und gestiegener Standards in der allgemeinen Ausstattung und bei Fluchtwegen besteht ein erheblicher Erneuerungsbedarf.

Wir bieten Ihnen für Ihr Vorhaben ein umfassendes Beratungsangebot:

  • wirtschaftliche Beratung für verschiedenen Projektoptionen wie Sanierung, Neubau oder Anmietung von Liegenschaften
    Erstellen von Machbarkeitsstudien und Eignungstests
  • Identifikation von geeigneten Fördermitteln beispielsweise der KfW und Kommunikation mit potenziellen Fördermittelgebern
  • Entwickeln eines Finanzierungsmodells, z. B. Forfaitierung mit Einredeverzicht, einschließlich der Einbindung von geeigneten Fördermitteln unter Berücksichtigung der aktuellen Haushaltslage
  • Einbinden von technischen und juristischen Beratern, z. B. über die Durchführung eines VOF-Verfahrens oder eine freihändige Vergabe
  • Durchführen von Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen sowie Erstellung von Financial Models
  • Erstellen der wirtschaftlichen Ausschreibungsunterlagen zur Vorbereitung eines Vergabeverfahrens
  • Durchführung und Steuerung von Vergabeverfahren (Teilnahmewettbewerb, wirtschaftliche Bewertung der Angebote, Durchführung von Verhandlungen, Steuerung des technischen und juristischen Beraters)
  • Erstellen von Entscheidungsvorschlägen und Präsentation vor den beteiligten Gremien
  • Projektcontrolling in der Betriebsphase