ÖPP und Architekturqualität

Hohe architektonische Qualität von ÖPP-Projekten

„ÖPP-Hochbauprojekte müssen, wie alle anderen Bauprojekte des Bundes auch, architektonischen Anforderungen wie Bauqualität und Erscheinungsbild vorbildhaft Rechnung tragen. Dies gilt insbesondere für Ministeriumsbauten, die auch Aushängeschild für das hohe Niveau der Architektur in Deutschland sind. Daneben spielen im Interesse des Steuerzahlers natürlich auch die Wirtschaftlichkeit sowie die Kosten- und Terminsicherheit eine wichtige Rolle. Das erste zivile Hochbauprojekt des Bundes, der Neubau des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Berlin, hat auf eindrucksvolle Weise gezeigt, dass diese verschiedenen Gesichtspunkte keine Gegensätze sind, sondern harmonisch miteinander verbunden werden können.

Wie erwartet war dieses Projekt als Öffentlich-Private Partnerschaft wirtschaftlicher zu realisieren als die ebenfalls berechnete konventionelle Umsetzung. Bis heute ist der vereinbarte Kosten- und Zeitrahmen eingehalten worden. Darüber hinaus kann sich bereits jetzt, kurz vor Fertigstellung des Gebäudes, jeder Besucher von seiner unbestritten hohen architektonischen Qualität überzeugen, die der besonderen Lage und Bedeutung des Gebäudes gerecht wird.

Qualität kommt freilich nicht von selbst - weder bei einem konventionellen Bau noch bei der ÖPP-Realisierung. Sie muss bei jedem Projekt vom öffentlichen Auftraggeber gefordert, durchgesetzt und überwacht werden. Der Schlüssel zum Erfolg beim Neubau des Forschungsministeriums war die klare Entscheidung der öffentlichen Seite für Bauqualität. Dieser wurde im europaweiten Ausschreibungsverfahren – neben dem Preis – ein besonders hoher Stellenwert gegeben. Im Übrigen hat die Bewertung der architektonischen Qualität des Vorhabens durch ein in das ÖPP-Verfahren integriertes unabhängiges baufachliches Bewertungsgremium zum weiteren Erfolg beigetragen. Gerade ein integriertes Bewertungsverfahren verträgt sich offenbar sehr gut mit der partnerschaftlichen Grundhaltung des ÖPP-Ansatzes.“

Thomas Leitschuh
Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA)

Architektonische Qualität einfordern – Günther Hoffmann, Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

„ÖPP hat sich als eine Beschaffungsvariante der öffentlichen Hand in Deutschland etabliert. Neben dem Ziel, durch Partnerschaft wirtschaftlicher zu bauen und damit einen größeren Handlungsspielraum zur Realisierung öffentlicher Infrastruktur zu erreichen, steht gleichrangig die Zielstellung, qualitativ hochwertige Architektur zu verwirklichen. Die architektonische Qualität entscheidet in erheblichen Maße mit über die Wirtschaftlichkeit des Projektes im gesamten Lebenszyklus. Gebäude mit hervorragender Integration in das städtebauliche Umfeld, mit landschaftsgestalterischen Qualitäten und Image bildender Architektur lassen sich besser vermarkten. Die Akzeptanz von ÖPP bei den Beteiligten und vor allem in der Öffentlichkeit wird mit einer qualitätvoll gestalteten gebauten Umwelt steigen. Lesen Sie weiter ...

Doch die architektonische Qualität kommt nicht von selbst! Gefordert ist hier vor allem der öffentliche Auftraggeber, der sie einfordert, durchgesetzt und überwacht. Eine kompetent besetzte Projektgruppe unter Einbeziehung eines qualitätssichernden Architekten sollte den Prozess von der Definition der Anforderungen bis zur Inbetriebnahme des Gebäudes steuern. Sie muss in der Verwaltung gut verankert und mit hoher Entscheidungskompetenz ausgestattet sein. Eine eindeutige und umfassende Beschreibung der Anforderungen unter zentraler Beachtung der so genannten weichen Kriterien wie Wirkung, Anmutung, aber auch der funktionalen Anforderungen und der gewünschten Bauqualität definiert die Messlatte für die Steuerung der Qualität in der Vergabe und der Umsetzung. Die Architekturqualität muss im Vergabeverfahren eine entsprechend starke Gewichtung erfahren. Die Bewertung der Entwurfsqualität sollte unbedingt durch ein unabhängiges Fachgremium erfolgen.

Ein weiteres Instrument zur Sicherstellung exzellenter Architekturqualität ist ein dem ÖPP-Vergabeverfahren vorgeschalteter Planungswettbewerb. Der unabhängige Planungswettbewerb liefert eine große Entwurfsvielfalt und ein abgesichertes und transparentes Beurteilungssystem zur Bewertung der architektonischen wie auch z. B. der wirtschaftlichen Qualität. Das Wettbewerbsergebnis bietet eine optimale Grundlage zur Beteiligung der Öffentlichkeit und der politischen Gremien. Auf der Basis des Wettbewerbsergebnisses kann ein für die Bieter und den öffentlichen Auslober schlankes ÖPP-Vergabeverfahren durchgeführt werden.“

Günther Hoffmann
Leiter der Abteilung Bauwesen, Bauwirtschaft und Bundesbauten
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

Bessere Verzahnung von Planen und Bauen ermöglicht Qualität und Effizienz zugleich – Dr. Heiko Stiepelmann, Hauptverband der Deutschen Bauindustrie

„Öffentlich-Private Partnerschaften (ÖPP) zeichnen sich durch die ganzheitliche Abstimmung aller Lebenszyklusphasen untereinander aus – dem Planen, Bauen, Finanzieren, Instandhalten und Betrieb. Hierbei spielt neben Aspekten der Wirtschaftlichkeit auch das Thema Architektur eine wichtige Rolle und sollte eine angemessene Gewichtung in der Gesamtbetrachtung erhalten. Hierdurch kann die öffentliche Hand ihre Pflicht zur effizienten und sparsamen Verwendung öffentlicher Steuermittel mit ihrer Verantwortung für die Baukultur im öffentlichen Raum in Einklang bringen. Lesen Sie weiter ...

ÖPP-Projekte stehen idealtypisch für den Anspruch einer nachhaltigen Optimierung des Baus und des Betriebs von Gebäuden unter Berücksichtigung begrenzter Ressourcen und komplexer Kundenvorgaben. Der Planung und der architektonischen Gestaltung eines Gebäudes kommt daher eine wichtige Rolle zu. Bereits in diesem frühen Projektstadium werden die Voraussetzungen für eine ressourcensparende, energetisch effiziente und ökologische Betriebsführung geschaffen. Den ÖPP-Lebenszyklusgedanken zeichnet daher aus, dass qualitative Aspekte – wie Architekturqualität – im Zusammenhang mit den zu erreichenden Effizienzgewinnen stehen. Grundvoraussetzung ist dabei die Verzahnung von Planen, Bauen und Betreiben. In der ÖPP-Praxis werden daher auch 98 % aller ÖPP-Hochbauprojekte im Rahmen eines Gesamtangebotes inkl. Architektenleistung vergeben.
Innerhalb dieses Wechselspiels verschiedener Zielgrößen kommt die Architektur, anders als oft vermutet, nicht zu kurz. Im Gegenteil: Auch ÖPP-Hochbauprojekte haben bereits Architekturpreise gewonnen.

Wichtiger als Architekturpreise ist jedoch, dass Auftraggeber und Nutzer mit den ÖPP-Leistungen zufrieden sind. So kommt eine Auftraggeber- und Nutzerbefragung im Rahmen des 2011 im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung erstellten Gutachtens „Architekturqualität und ÖPP“ zu einer positiven Bewertung: 40 % der Auftraggeber bewerteten die architektonische und funktionale Qualität ihrer ÖPP-Projekte „wesentlich besser“ bzw. „besser“ als die von konventionellen Projekten. 43 % stuften diese als vergleichbar und nur 8 % als schlechter ein. Auch 32 % Nutzer sahen in ÖPP-Projekten eine „wesentlich bessere“ bzw. „bessere“ architektonische und funktionale Qualität (13 %: vergleichbar; 12 %: schlechter bzw. wesentlich schlechter).

Dieses positive Ergebnis zeigt, dass ÖPP auch für Qualität steht.

Sicherlich gibt es Projekte, in denen Architektur als Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Zielen, wie Funktionalität oder Wirtschaftlichkeit, Vorrang genießt und auch genießen sollte. Für diesen Fall sieht das Planungsrecht den vorgeschalteten Architektenwettbewerb vor. Wir nehmen damit allerdings in Kauf, dass dadurch ohne die Einbeziehung von bauausführendem und betrieblichem Know-How die Möglichkeit einer ganzheitlichen Optimierung eingeschränkt wird. Diese Aspekte gegeneinander abzuwägen, darüber hat am Ende der Auftraggeber zu entscheiden.

Fakt ist, dass die ÖPP-Gesamtlösung es der öffentlichen Hand ermöglicht, drei Herausforderungen mit einem Instrument anzugehen: ÖPP verbindet die Erreichung von umwelt- und energiepolitischen Zielen mit architektonischer Qualität und einem effektiven Mitteleinsatz.“

Dr. Heiko Stiepelmann
stellv. Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie

ÖPP und Architekturqualität - Projektauswahl

Beim Neubau des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, dem ersten zivilen Hochbau-ÖPP des Bundes, wurde besonderer Wert auf architektonische Qualität gelegt.

Die Studie "Architekturqualität für ÖPP" im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung aus dem Jahr 2011 bewertet drei Projekte als gestalterisch hochwertig:

Fachartikel

Forschungsbericht und Leitfäden

Unser Standpunkt zum Thema ÖPP und Architekturqualität

Anspruch wird Wirklichkeit – Architekturqualität bei ÖPPs

Wirtschaftlichkeit, Effizienz, Funktionalität, in erster Linie also ökonomische Kriterien sind es, an denen Bauvorhaben in Deutschland traditionell gemessen werden und nach denen (zutreffenderweise und im wohlverstandenen Interesse des Steuerzahlers) die Auftragsvergabe erfolgt. Insoweit besteht zwischen konventionell oder in Partnerschaften errichteten Gebäuden kein Unterschied. In beiden Varianten kann der öffentliche Auftraggeber – wenn er es möchte - der architektonischen Qualität eines Gebäudes einen besonderen Stellenwert zumessen. Dies zeigen beispielsweise die ÖPP-Projekte in Berlin, Heidenheim und Unna, deren gestalterische Qualität eine Studie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung aus dem Jahr 2011 auszeichnete.

PD begleitet den Neubau des Bundesministeriums für Bildung und Forschung als wirtschaftlicher Berater von Anbeginn. Welch hochwertige Qualität ein in das ÖPP-Verfahren integrierter Architektenwettbewerb liefern kann, wird dem unvoreingenommenen Betrachter offenbar. Die fachlichen Anforderungen an den Architekten bei Öffentlich-Privaten Partnerschaften sind unbestritten hoch. Im Planungsprozess hat er nicht nur das Gebäude und dessen städtebauliche Einbindung zu berücksichtigen, sondern auch die Anforderungen für einen nachhaltigen reibungslosen Betrieb. Der architektonische Entwurf ist zu verknüpfen mit dem wirtschaftlichen Angebot für Bau und jahrzehntelange Nutzung. Wenn dies gelingt, gehen kreativer Anspruch und Wirklichkeit bei ÖPPs sehr gut zusammen.

Dipl.-Ing. Arch. Michael Vahlert
PD - Berater der öffentlichen Hand GmbH